April 2026 - Bartosz Urbanowicz
BEGEGNUNG MIT BARTOSZ URBANOWICZ AM MITTWOCH, 15. APRIL 2026, UM 19.00 UHR IM UNTEREN FOYER VON OPAL
Albrecht Puhlmann begrüßte Cordelia Huberti und Bartosz Urbanowicz, der seit 13 Spielzeiten am Haus ist und hier seine große Bandbreite vom Buffo- bis zum Charakterfach entfaltet hat, vom Don Pasquale in der gleichnamigen Oper über Wagner- und Verdi-Partien bis zum Herzog Alfonso in „Lucrezia Borgia“. Eine seiner Lieblingsrollen ist Gianni Schicchi im gleichnamigen Teil von Puccinis „Il Trittico“, den er kürzlich hier mit Bravour und darstellerischer Brillianz verkörperte.
Mit der Arie des Königs René aus Tschaikowskys „Jolanthe“, begleitet von Huberti am Klavier, begeisterte der Sänger gleich das Publikum.
Schon als Kind performte Urbanowicz gerne, sein erster Auftritt war ein Gedichtvortrag, da war er zweieinhalb. Die Mutter, eine Schuldirektorin mit Opernbegeisterung, förderte seine Neigungen. Die musikalische Familie lebte in der Umgebung von Krakau, die Eltern stammten aus Oberschlesien. Eine Großmutter war Pianistin, oft schlief der Enkel unter ihrem Klavier.
Debütiert als Opernsänger hat Urbanowicz mit gerade 23 Jahren, er sang den Wanderprediger Warlaam aus „Boris Godunow“ in Krakau, es folgten weitere Stationen in Polen. Damals war er noch ein Basso profondo mit Rollendestinationen wie etwa Sarastro. Doch trotz einschlägigem Magister-Studienabschlusses an der Musikakademie in Katowice startete er seine musikalische Karriere nicht auf der Opernbühne, sondern bereits vorher als Frontmann einer Rockband namens Apogeum. Die Managerin dieser Band wurde später seine Frau.
Urbanowicz erste Rolle in Mannheim war Kuno im „Freischütz“, später sang er auch den Kaspar. Diese Partien empfand er als etwas stressig wegen der gesprochenen Passagen und er holte sich Hilfe bei einem Sprachcoach.
Die heutige „Begegnung“ ist leider auch ein Abschied von ihm, denn nach den Erfolgen in seinem breit gefächerten Rollenrepertoire hier verlässt er das Haus in Richtung Wien. Er war mit einer Produktion der Wiener Staatsoper bereits in Japan gewesen, was ein Angebot dieses renommierten Hauses nach sich zog. Das ist ein großer Entwicklungsschritt für den Sänger, auf den neue Rollen wie Graf Waldner in „Arabella“ oder Kruschina in „Die verkaufte Braut“ warten. Dem Buffo-Fach wird er treu bleiben und sich zudem das seriöse Fach erarbeiten. Eine Traumrolle ist der Scarpia in „Tosca“, der kann in ein paar Jahren kommen. Wien ist auch ein Abenteuer für seine ganze Familie, die in Mannheim gut verwurzelt war und sich nun dort etablieren wird, wobei bereits Erfolge zu verzeichnen sind: Eine Wohnung in Theaternähe und Plätze an einem musikalischen Gymnasium für die Kinder sind gefunden.
Auch für Cordelia Huberti ist diese Spielzeit die letzte am NTM. Eine Besonderheit des französischen Arbeitsrechts ermöglichte ihr einen unbefristeten Urlaub für die Arbeit hier in Mannheim, nun geht sie auf ihre alte Position in Straßburg zurück, sie wird als Korrepetitorin an der Oper und auch mit dem Chor dort arbeiten.
Mit Huberti hat Urbanowicz den Hagen aus der „Götterdämmerung“ erarbeitet, den er bereits im „Ring an einem Abend“ sang. Er passt nach den höheren Wagner-Partien wie Biterolf im „Tannhäuser“ gut zu der schwerer gewordenen Stimme, ist aber auch eine - gerne gemeisterte - Herausforderung wegen der komplexen Orchesterbegleitung.
Urbanowicz Heimat Polen hat ein reiches Opernrepertoire und eine sehr lebendige Sänger*innen-Szene, was hierzulande wenig bekannt ist. Dies liegt nicht zuletzt an der Sprache, denn Polnisch gilt wegen der vielen starken Konsonanten und der komplizierten Grammatik als schwierig. Auch die Betonung hat ihre Tücken, wie der Sänger anhand der - oft falschen - Aussprache seines Namens bewies. Der Begründer der polnischen Nationaloper ist der Komponist Stanislaw Moniuszko, seine Werke mit meist romantischen Themen werden häufig gespielt und gelten in Polen als identitätsstiftend.
Das Lied „Der alte Mann und die alte Frau“ von Moniuszko hatte Urbanowicz zuletzt vor zwanzig Jahren gesungen, es blieb für ihn aber immer lebendig, was nun sein Gesangsvortrag mit Huberti am Klavier bewies. Zum Verständnis des Textes hatte der Sänger ihn vorab verteilt. Die Polen, sagte er, hätten einen ähnlichen Humor wie die Engländer.
Dass er viel davon hat, zeigte die Schilderung seiner ersten Begegnungen mit dem österreichischen Dialekt, an der Oper sei das ja kein Problem, aber es gäbe in Wien schon Orte, an denen er gar nichts verstünde. Das wird sich geben, schließlich ging es ihm in der Anfangszeit hier ähnlich, wenn die Nachbarin Mannheimer Dialekt sprach.
Vor dem Abschied, bei dem er „wohl weinen wird, weil es hier so schön war“, freut sich Bartosz Urbanowicz noch auf die neuen Partien und viele Vorstellungen hier. Er schloss den Abend mit einem Lied, das, obwohl sein Herz der Oper gehört, zu seiner aktuellen Situation sehr passte: „My Way“ von Frank Sinatra, begleitet von Cordelia Huberti. Mit anhaltendem Applaus bedankte sich das Publikum bei den beiden.
Text: Luisa Reiblich
Bilder: Petra Eder





