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November 2025 – Renatus Mészár

BEGEGNUNG MIT RENATUS MÉSZÁR AM MITTWOCH, 19. NOVEMBER 2025, 19.00 UHR IM UNTEREN FOYER VON OPAL
BEGEGNUNG MIT RENATUS MÉSZÁR AM MITTWOCH, 19. NOVEMBER 2025, 19.00 UHR IM UNTEREN FOYER VON OPAL

Nach der Begrüßung übergab Petra Eder das Wort an Albrecht Puhlmann, der das seit dieser Spielzeit neue Ensemblemitglied Renatus Mészár vorstellte. Der Bassbariton ist bekannt für seine Gestaltung der großen Wagner-Figuren, vor allem des Wotan, seiner Lieblingspartie, die er bereits in sieben Produktionen, eine davon am NTM, gesungen hat. Hier erwartet ihn mit dem Gurnemanz im „Parsifal“ in dieser Spielzeit ein Rollendebüt, ein ausschlaggebender Grund für ihn, nach Mannheim zu kommen. Den Abend eröffnete er folgerichtig mit der Erzählung des Gralshüters aus dem ersten Akt, begleitet von Cordelia Huberti am Klavier.

Singen ist für Mészár wie Geschichten erzählen, die Musik erlaubt deren unmittelbares Erleben. Deshalb ist ihm Wagner mit seinem allwissend erzählenden Orchester so teuer, ohne ihn, sagte er, wäre er kein Sänger geblieben. Seine erste Wagner-Rolle war der „Rheingold“-Alberich in Münster. Dort war er auch der Holländer und ein Gralsritter, wobei ihm eine „Parsifal“-Vorstellung in besonderer Erinnerung geblieben ist, weil Franz Mazura als Einspringer für einen erkrankten Kollegen den Gurnemanz und auch den Klingsor sang.
Der ungewöhnliche Vorname „Renatus“ verdankt sich der Familiengeschichte. Der Sänger, das jüngste von sechs Geschwistern, kam zur Welt, nach dem die Eltern sich nach einer kurzen Entzweiung versöhnt hatten. Der Vater, Lehrer für alte Sprachen, sah den Kleinen als Zeichen des wieder erlangten Friedens: Renatus, der Wiedergeborene. In der Kinderzeit war der Name spottanfällig, dem Erwachsenen wurde er wegen seiner Ernsthaftigkeit lieb. Für den Frieden zwischen den Eltern, dem Bruder und den vier Schwestern fühlt er sich noch immer zuständig. Er ist gerne das versöhnende Element, was auch im Operngeschäft hilfreich ist.
Der Nachname „Mészár“ ist eine verkürzte Form eines gebräuchlichen ungarischen Familiennamens. Ein Urgroßvater zog 1902 nach Berlin, wo es noch immer Verwandte des Sängers gibt und wo er sich auch noch zuhause fühlt. Sogar den Ort, an dem der Vorfahr sein Atelier für Uniformschneiderei hatte, hat der späte Nachfahre recherchiert. Nach wie vor trifft sich die weitläufige Familie in Berlin.
Geboren wurde Mészár in Hessen, in eine Familie, in der alle sangen oder musizierten, er selbst lernte Schlagzeug und Orgel. Dann lebte die Familie im Sauerland, nach dem Abitur ging Mészár zum Studium der Kirchenmusik nach Hamburg, das er allerdings nach drei Jahren abbrach. Denn Singen und die Bühne übten eine große Faszination auf ihn aus, vor allem Sänger wie George London oder Kurt Moll bewunderte er. Er nahm noch im Studium Gesangsunterricht, wurde ein Schüler von Brigitte Fassbaender.
Die Sängerlaufbahn führte allerdings zuerst nach Hamburg, für drei Jahre zum Rundfunkchor, weil eine inzwischen gegründete Familie versorgt werden musste. 1995 folgte ein Engagement in Braunschweig mit Partien wie dem Sarastro, 1998 eines in Münster mit größeren Rollen wie dem Alberich und nun auch italienischen Partien wie dem König Philipp. Den ersten Wotan sang Mészár in Weimar und fühlte sich gleich mit ihm vertraut, denn, so sagt er, Opernfiguren sind für ihn „wie lebendige Menschen“. Dort gestaltete er noch weitere Rollen im Ring-Zyklus.
Nach Weimar kamen Engagements in Bonn und Karlsruhe, wo er alle großen Wagner-Gestalten seiner Stimmlage verkörperte. Dazu gehörte auch der Hans Sachs, der mit zwei Stunden und zehn Minuten Gesangszeit zu den längsten Partien überhaupt gehört. Zwei Jahre hat er sich darauf vorbereitet, den Schlussgesang auf der Festwiese absolviere man, so meinte Mészár, fast „wie im Delirium“. Die Sicherheit am Schluss ist möglich dank einer besonderen Einstudiermethode: Man lernt die Partie vom Ende her.
Dass Mészárs Kunst noch mehr umfasst, bewies er mit dem Vortrag des Liedes „Fahrt zum Hades“ von Franz Schubert nach einem Text von J. P. Mayrhofer, wieder mit Huberti am Klavier.
Und in Mannheim erweiterte er sein Repertoire nun auch um die Partien der verrückten Herzogin und der Raupe in der Oper „Alice im Wunderland“ von Pierangelo Valtinoni, eine Herausforderung für die Stimme.
Allerdings ist eine Stimmlage wie die Mészárs lange im Leben tragfähig und ermöglicht ein nachhaltiges Hineinwachsen in die Partien, getreu dem Motto der Raupe in „Alice“: Eile mit Weile. So wird es vielleicht auch noch etwas mit einer weiteren Wunschrolle von ihm, dem Blaubart in „Herzog Blaubarts Burg“ von Béla Bartók.
Zum Gedenken an seinen Vater, der lebenslang an Zahlensymbolik und an seinen Tod mit 75 Jahren glaubte (der auch eintrat), trug der Sänger zum Schluss die Ballade „Die Uhr“ von Carl Loewe vor. Herzlicher Applaus beendete den Abend.

Text: Luisa Reiblich

Bilder: Petra Eder