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Oktober 2025 – Seunghee Kho und Naomi Schmidt

BEGEGNUNG MIT SEUNGHEE KHO UND NAOMI SCHMIDT AM MITTWOCH, 8. OKTOBER 2025, 20.00 UHR IM UNTEREN FOYER VON OPAL
BEGEGNUNG MIT SEUNGHEE KHO UND NAOMI SCHMIDT AM MITTWOCH, 8. OKTOBER 2025, 20.00 UHR IM UNTEREN FOYER VON OPAL

Im Oktober waren bei der „Begegnung“ die Sopranistin Seunghee Kho und die Solorepetitorin Naomi Schmidt zu Gast, und der Abend begann auch gleich musikalisch. Mit der Arie der Ellen Orford aus Benjamin Brittens „Peter Grimes“ setzte Seunghee Kho – begleitet von Naomi Schmidt am Klavier – gleich einen eindrucksvollen Akzent. Interessant an der Auswahl: Für Kho gehört die Arie zu den ersten, die sie nach ihrer Ankunft in Deutschland erarbeitete, während die Britten-Oper für Schmidt auch eine besondere Bedeutung hat, denn „Peter Grimes“ war die erste Premiere in Mannheim, an der sie mitwirkte.

Opernintendant Albrecht Puhlmann, der Moderator des Abends, lenkte das Gespräch zunächst auf die musikalischen Anfänge der beiden Gäste. Seunghee Kho stammt aus Südkorea; in ihrer Familie gab es keine Musiker*innen. Dennoch zeigte sie früh großes Interesse an Musik und begann bereits im Alter von vier Jahren mit dem Klavierspiel. Als später die Wahl der weiterführenden Schule anstand, konnte sie ihre Eltern überzeugen, dass das musikalische Gymnasium das richtige für sie ist. Dort begann sie zusätzlich Geige zu lernen, doch das Klavier blieb ihr bevorzugtes Instrument.
Während ihrer Schulzeit besuchte Kho ein Galakonzert von „La Traviata“, das in ihr den Wunsch weckte, selbst auf der Bühne zu stehen. Von da an versuchte sie, ihre Eltern von diesem Berufswunsch zu überzeugen, die dieser Idee zunächst skeptisch gegenüberstanden. Neben ihrer Instrumentenausbildung sang Kho auch im Kinder- und Kirchenchor und übernahm dort bereits solistische Aufgaben. Ihre Lehrer empfahlen ihr, den Gesang weiter zu verfolgen. Sie studierte an der Korea National University of Arts und machte dort ihren Bachelor-Abschluss im Fach Gesang. Es folgten Aufbaustudiengänge mit den Schwerpunkten Oper sowie Konzert/Lied an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Mannheim, die sie mit dem Master abschloss. 2017/18 wurde sie Mitglied des Opernstudios in Kaiserslautern. Danach plante sie eigentlich eine Auszeit, um in die USA und Kanada zu gehen, da ihr Mann, der ebenfalls Sänger ist, zu diesem Zeitpunkt in New York beschäftigt war. Die Corona-Pandemie durchkreuzte jedoch diese Pläne. Stattdessen bewarb sie sich für ein Vorsingen zum Mannheimer Opernstudio und überzeugte dabei so sehr, dass sie direkt als festes Ensemblemitglied engagiert wurde. Seitdem begeistert sie das Publikum in zahlreichen Rollen.
Auf ihre Traumrollen angesprochen, berichtete Seunghee Kho, dass dies seit ihren Studienzeiten die Violetta war, der sie sich jedoch lange mit großem Respekt näherte. 2024 war es aber soweit: In der Mannheimer Neuinszenierung von „La Traviata“ sang sie die Titelrolle. Als aktuelle Wunschrollen nennt sie die Mimi („La Bohème“), Desdemona („Otello“). Juliette („Roméo et Juliette“) und Cio-Cio-San („Madama Butterfly“), letztere, wie sie augenzwinkernd anmerkt, „aber erst in 10 Jahren“.
Auf die Frage nach ihrer Rollenvorbereitung erklärt sie, dass sie ihre Partien zunächst am Klavier spielt, um sie gründlich kennenzulernen, bevor sie sie singt. Zudem hört sie Aufnahmen von ihren Proben an, und wichtig ist ihr auch, immer wieder in der Partitur zu lesen, was ihr zusätzliche Sicherheit gibt.

Naomi Schmidt stammt aus einer musikalischen Familie. Ihr Vater ist Musiklehrer und Cellist, ihre Mutter ist Pianistin und Cembalistin. Ursprünglich wollte Schmidt Cello lernen, entschied sich dann aber für die Geige. Mit einem Schmunzeln erzählt sie, dass ihre Mutter ihr wegen ihrer „kleinen Hände“ vom Klavier abgeraten hatte.
Nach dem Abitur erhielt Naomi Schmidt in Freiburg sowohl einen Studienplatz für Medizin als auch für Musik. Sie hätte gerne beides gemacht, aber da eine Doppelzulassung nicht erlaubt war, entschied sie sich für die Musik – zunächst mit dem Gedanken, später vielleicht doch noch Medizin zu studieren. Dass es dabei blieb, lag nicht zuletzt an der Intensität des Musikstudiums, denn Schmidt erwarb Abschlüsse in gleich drei Studiengängen, wobei sich inzwischen doch das Klavier als bevorzugtes Instrument etabliert hatte. Es folgten weitere Spezialisierungen in den Bereichen Lied und Korrepetition, die sie als „eine sehr gute Kombination“ bezeichnet. Besonders prägend war ihre Stelle als Pianistin im Opernstudio der Bayrischen Staatsoper München, wo sie sich intensiv damit beschäftigte, wie sich Erfahrungen aus dem Liedbereich in die Opernarbeit einarbeiten lassen. Seit 2019 ist Naomi Schmidt nun am NTM und arbeitet als Solorepetitorin intensiv mit den Sängerinnen und Sängern des Opernensembles zusammen. Außerdem ist sie die musikalische Leiterin des Mannheimer Opernstudios und sie übernimmt auch Dirigieraufgaben, was „mit der Zeit so dazu kam“. Schmidt war schon immer vielseitig interessiert: Neben ihren Tätigkeiten am NTM ist sie eine gefragte Liedbegleiterin und gastiert regelmäßig bei Konzerten. Darüber hinaus hat sie mehrere Lehraufträge an Musikhochschulen. Außerdem besitzt sie einen Abschluss als systemischer Coach. Sie beschreibt sich als „fasziniert von Strukturen“ und betont, dass die Kenntnisse von Körpersprache und Kommunikation auch hilfreich für die Arbeit im Opernbetrieb seien - besonders wenn es darum gehe, „Risse zu kitten“. Man sage ihr nach, viele Fragen zu stellen, was sie aber als positive Eigenschaft sieht und wozu sie auch Sänger*innen – sei es im Opernstudio oder im Ensemble – gerne animiert.

Natürlich bot der Abend noch weitere musikalische Höhepunkte: das Lied „Die Nachtigall“ von Alban Berg nach einem Gedicht von Theodor Storm, die Arie der Adriana aus Cileas „Adriana Lecouvreur“ sowie ein koreanisches Volkslied zum Abschluss. Das Publikum bedankte sich mit lang anhaltendem Applaus für diese musikalisch überzeugende, abwechslungsreiche und überaus informative „Begegnung“.

Text und Bilder: Petra Eder