„Hurra, die Welt geht unter“
„Hurra, die Welt geht unter“: Treffen der Schnawwl-Pat*innen in der Alten Feuerwache am 2. Juli 2026
Mit einem skeptischen Blick zum Himmel und aufs Thermometer („Wird es regnen? Stürmen? Werden die Temperaturen gegen 40 Grad gehen?“) begab sich manche Schnawwl-Patin, mancher Pate zum jährlichen Treffen, dieses Mal in einem kleinen Zirkuszelt auf der Rückseite der großen Halle der Alten Feuerwache. Aber die Welt ging nicht unter, die Sommerhitze blieb noch erträglich, und mit 25 Pat*innen kamen so viele wie noch nie zu Informationen rund um das Junge Nationaltheater, zu Gesprächen untereinander und mit der Intendanz und einem anschließenden Besuch einer Aufführung der Jungen Bürgerbühne (JXB) im Rahmen des JXB-Festivals.
117 Patinnen und Paten sind es mittlerweile, sie halten zusammen 260 Patenschaften, mit denen Unterstützung beim Theaterbesuch für Kita-Kinder und Schüler*innen ermöglicht wird, deren Familien den Eintritt nicht finanzieren können. Unterstützt werden auch Kinderheime, dann zwei sog. Eltern-Kind-Zentren, die Gruppe der Leselernhelfer*innen der Mannheimer Uni und eine ganze Reihe anderer Institutionen und Initiativen mehr. Dabei zielt die Unterstützung nicht nur auf den Theaterbesuch; sie ermöglicht auch die Teilnahme an den Spielclubs der Jungen Bürgerbühne, in denen Kinder und Jugendliche unter theaterpädagogischer Leitung sich selbst auf der Bühne ausprobieren dürfen.
Da passte es, dass die Kids vom Club Grün (11-13 Jahre) plötzlich erschienen, um zu erzählen, was sie am Theaterspielen toll finden. Ulrike Stöck, die Intendantin des JNTM, ließ sie berichten, wie es ist, wenn man unter Anleitung ein Stück selbst entwickelt, wie dabei jede*r in eine Rolle findet und vor allem, wie Theaterspielen auch dabei helfen kann, Unsicherheiten und Ängste zu überwinden. Das Gespräch begleiteten liebevoll präsentierte Häppchen und neben einem Glas Sekt zum Empfang für die Pat*innen eine bunte Palette an erfrischenden alkoholfreien Getränken.
Im Anschluss gab es oben im Theatersaal des JNTM die Präsentation des Club Gelb. Die älteste Gruppe der Jungen Bürgerbühne umfasst die Altersgruppe von siebzehn bis einundzwanzig Jahren, Noch-Jugendliche und junge Erwachsene also, die sich ein Jahr lang unter der Begleitung von Aydan Mugan, Theaterpädagogin, mit dem Thema „Weltuntergang“ befassten. Ausgehend von den Playlists ihrer bevorzugten Musik und anschließenden Übungen in kreativem Schreiben waren sie irgendwann bei „Hurra, die Welt geht unter“, dem Song der Hip-Hop-Band K.I.Z von 2015, gelandet. Wie im Lied auch, wollten sie im Weltuntergang nicht nur die ultimative Apokalypse sehen, sondern weiteten den Begriff auf die vielen kleinen Weltuntergänge, die man auch schon als junger Mensch erleben kann. So startete ihre Stückentwicklung rund um einen großen Haufen aufeinander geworfener Stühle, die sich zu Stuhlreihen ordnen ließen, die man auch ganz beiseite räumen konnte. Die jungen Darstellenden erzählten, einzeln oder in Gruppen, von ihren eigenen Erlebnissen, und sie taten das auch in ihrer Muttersprache, wie die aus der Ukraine stammende Mitspielende, die von von ihren Fluchterfahrungen sprach. Manchmal braucht es gar kein wörtliches Verstehen; vieles lässt sich auch über den Körper ausdrücken. Club Gelb hatte während des einen Jahres auch Übungen mit Profis vom Tanz.
Im Refrain des K.I.Z.-Songs lautet die letzte Zeile übrigens „Auf den Trümmern das Paradies“. Da ist der hoffnungsvolle Blick in die Zukunft, der diese Stückentwicklung immer wieder durchzog. Die Schnawwl-Pat*innen danken dem Jungen Nationaltheater ganz herzlich für das spannende Treffen.
Text: Joachim Wagner